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Die wundersame Ordnung der Pflanzen – Die Pflanzentabelle in der Homöopathie

In der Praxis gibt diese Tabelle eine Orientierung bezüglich des „menschlichen Liedes“ des zu Behandelnden: Ähnlich wie im Periodensystem der Elemente nach Scholten und Sankaran schauen wir hier nach dem Grad an Reife, an Ego-Entwicklung, auf den Pfad der Evolution von Einssein bis hin zu komplexen Egostrukturen.
Hierbei beschreibt Yakir, ähnlich wie Scholten in „Wunderbare Pflanzen“ die Magnolien in einem Stadium des vorgeburtlichen Empfindens, einem Vorstadium des Ich - ganz links oben im Schema. Ebenfalls ähnlich wie bei Scholten, werden die Compositae (die Arnica-Familie) als Teil der Asterales, charakterisiert durch „starkes individuelles Ego, Alter, Lebensübersicht, Vorbereitung auf den Tod“, ganz rechts unten platziert.

Dies ist eine zusätzliche Perspektive in der Fallanalyse.

In der praktischen Arbeit mit dem Patienten ergänzt dies die Arbeit mit der Empfindungsmethode, bei der der Fokus der Anamnese das Herausfiltern der Vitalempfindungen der Pflanzenfamilien und -ordnungen ist. Hierbei komplementieren sich Yakirs Blickwinkel, der das „menschliche Lied“ kategorisiert, und die Vitalempfindung des „nicht – nur – menschlichen Erlebens“ nach Sankaran: So kombiniert, können wir einen Menschen noch umfassender, ganzheitlicher verstehen.
So kombinieren sich Sankarans Vitalempfindungen der Magnolien „Verwirrung, zieht sich zurück….“ aufgrund einer Art Reizüberflutung mit Yakirs Beschreibung eines „frühen“ Entwicklungsstadiums. Die Furcht vor Verletzung durch einen Herannahenden ist die Vitalempfindung der Compositae – nach Yakirs evolutionärer Systematik handelt es sich hierbei um ein Entwicklungsstadium mit großer Individuation, einem Sinn für einen eigenen privaten Bereich, einer starken Grenze zwischen dem Ego und dem Anderen. Interessant ist auch, die unterschiedliche Herleitung beider Ansätze: Sankarans Vitalempfindungen der Pflanzenfamilien, bewährt seit fast 20 Jahren, wurden aus der klassischen Materia medica und dem Repertorium herausgefiltert. Aus Einzelfällen wurde verallgemeinert: eine induktive Herangehensweise. Demgegenüber ist Yakir deduktiv vorgegangen: sie hat aus dem botanischen System und Jungs Psychologie heraus auf die Thematik einzelner Heilmittel gefolgert - die Kurzbeispiele dienen hierbei der Illustration.

In der Mittelwahl ergänzt sich Yakirs Ansatz natürlich zur klassischen homöopathischen Fallanalyse mit Rubriken aus Geist, Gemüt und Körper unserer seit 250 Jahre dokumentierten Heilkunst.

Yakir beschreibt die Thematik der sechs Spalten als „Prozess der Trennung und Ich-Werdung“ jeweils ausführlich. Die Zeilen umreißen die Phasen der Entwicklung und Reifung vom Vorgeburtlichem zum hohen Alter. Jede Pflanzenfamilie wird wiederum thematisch in der Schnittstelle von Spalte und Reihe mit ausführlicher Analyse der psychologischen Aspekte beschrieben. Dies konnte in der Tabelle nur in stark gekürzter Form dargestellt werden.
Die Autorin schlägt die Brücke zur klassischen Homöopathie, indem sie für jedes Heilmittel die jeweils zentrale körperliche Dynamik gut recherchiert wiedergibt, und viele originale und neueste Mittelprüfungen anführt. Sankarans Ansatz, Vitalempfindungen und Miasmen, werden hier nur in wenigen Aspekten erwähnt. Die Fallbeispiele stammen teils von international bekannten Autoren, teils von Yakir selbst, sowie von weiteren israelischen Homöopathen.
Schon beim Durchblättern des Buches fallen all die neuen Mittel auf, die bei jeder Pflanzenfamilie, jeder Ordnung hinzugekommen sind! So kann uns der systematische Ansatz helfen, auch völlig unbekannte Pflanzen erstmalig zu verstehen, und aus erfolgreichen Verschreibungen deren klinische Relevanz zu erarbeiten.

Ein Abgleichen von Fallstudien mit Verschreibungen pflanzlicher Heilmittel mit Yakirs Werk bringt überraschende Einblicke. Beispielsweise eine Patientin, der ich erst Kali- verbindungen gab -  und bei der schliesslich eine Rutaceae wirkte. Die Ordnung der Sapindales, zu denen die Anacardiaceen und die Rutaceen zugeordnet werden, beschreibt Yakir kurzgefasst mit: Gesetz und Ordnung, Rigidität, Druck, Zwang, Unterdrückung, Limitierung, Arbeit und Unfähigkeit. Ein weiterer Patient,Karikaturist von Beruf, der nach Argentum nitricum später konstitutionell mit einer Compositae geheilt wurde. 

Das Buch „Wondrous Order“ ist sicher ein Schritt zum wahrhaft ganzheitlichen Verständnis der pflanzlichen Heilsubstanzen und zum ganzheitlichen Heilen unserer Patienten. Die Zusammenarbeit so vieler Kollegen weltweit führt zur Konsolidierung von klinischen Beobachtungen mit psychologischer Perspektive und essentiellen Charakteristika.

Für die praktische Arbeit sicher hilfreich: die Indexe der englischen und der lateinischen Pflanzennamen, und ein weiterer Index der Pflanzenfamilien und -ordnungen, sowie ein Repertorium der Themen der Pflanzentabelle! Phantastisch zur schnellen Orientierung, ohne das ganze Buch lesen zu müssen.

Je länger man in dem Buch liest, desto deutlicher werden die 20 Jahre Forschung, die darin stecken. Dieses Buch wird die Homöopathie das nächste Jahrzehnt begleiten. Zu allererst wegen der inhaltlichen Dichte und auch weil es der Qualität der Pflanzen alle Ehre macht. Es ist einfach wunderschön: die Photos, die Recherche, die Tiefe der Beschreibungen.

Leider wird es noch einige Monate brauchen, bis die deutsche Übersetzung erhältlich ist.

Bestellung unter:
www.narayana-verlag.de



Sigrid Lindemann
www.sigridlindemann.com
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