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World Institute for Sensation Homeopathy

Der Weg der Kinderseele

Diese geistige Ebene umfasst den ganzen Menschen, sowohl in der genetischen Anlage, als auch in der biographischen Lebensentfaltung, als auch in der Psyche, die wir als Seele bezeichnen. Das „Erleben“ dieser Geistigkeit findet im ICH statt. Das entspricht dem innersten Wesenskern des Menschen.  

Zusammenfassend kann man sagen: das ICH umfasst Körper, Seele und Geist. Hahnemann hat dies in § 9 des Organon definiert. Er schreibt vom „gesunden Zustande des Menschen“, was schon bedeutet, dass dies ein Zustand ist und nicht für immer gehalten werden kann, denn das ICH ist gerade beim Kind und jungen Erwachsenen in Entwicklung begriffen. Weiter schreibt Hahnemann, dass die Lebenskraft im Körper "unumschränkt waltet" und dies sich zeigt in "Gefühlen und Tätigkeiten“. Er umfasst das Ziel der Menschwerdung, dass „der vernünftige Geist“ sich dann entfalten kann. 

ICH ist der geheimnisvolle Begriff, den wir hier definieren wollen: Das reale ICH in unserem Leben lebt in allem, was dem Menschen von aussen „scheinbar“ begegnet. Diese Einflüsse strömen durch die Sinneswahrnehmungen in unser Leben ein. Für uns Homöopathen ist es wichtig, zu erkennen, dass alle Inhalte unserer Welt in uns sind und damit das gesamte Bewusstsein der Erde in uns gespiegelt wird. Sind doch unsere homöopathischen Mittel auch genau die Energien der Natur, die die Patienten auf ihrem Lebensweg weiterhelfen. Damit wird im Menschen ein Teil der Natur widergespiegelt und gleichzeitig dient dieser Anteil, wenn er in der Form eines homöopathisches Mittel dem Menschen gegeben wird, als Entwicklungsförderer hilfreich seinem Weg.

Die Urteilskraft des ICHs wird durch Wollen - Fühlen - Denken ausgedrückt. Sie ist das Gewissen des Menschen, das im Herzen verankert ist.  Im Wollen entsteht die unmittelbare Verbindung mit der Umgebung, die oft durch traumatische Erlebnisse beeinflusst worden ist; im Fühlen geht der Mensch in Beziehung zum anderen. Durch das Denken entsteht das Erkennen des Weges zur Freiheit. Erst durch das Denken kann die Fähigkeit der Abstraktion erkannt werden, damit  kann Identifikation durchschaut werden. Die Krankheit als Identifikation mit einem inneren Bild hat lähmenden Charakter und verhindert das eigene Urteil und damit ist das ICH geschwächt.

Die Entwicklung des Kindes ist nun der stufenweise Prozess zur ICH-Findung. So geht die Entwicklung in 3 Perioden voran, die sich zeitlich über ungefähr 6-7 Jahre entfaltet:

  • Von Geburt bis zum Zahnwechsel: in dieser Phase entwickelt sich das Nerven-Sinnessystem und daher sind Kinder in dieser Zeit hochempfindlich auf alles, was um sie herum geschieht. Sie nehmen es zwar nicht bewusst wahr, aber unbewusst hinterlässt alles „Erleben“ in ihrem Sinnessystem eine Prägung. Diese Phase bedeutet also, dass die Wirkung auf das Kind von aussen nach innen erfolgt (siehe später in der umgedrehten Form beim alternden Menschen). Durch die Spiegelung ahmt das Kind dann nach, was ihm aus dem Unbewussten der Umgebung der Erwachsenen präsentiert wird. Gerade in dieser Phase ist die homöopathische Behandlung von großer Hilfe, denn das sich zeigende energetische Krankheitsgeschehen kann mit unseren Mitteln gut überwunden werden. 
  • Ab Zahnwechsel bis zur Pubertät: In dieser Zeit beginnt das Kind seine eigene kleine Welt zu entdecken, dadurch dringt die Aussenwelt nicht mehr so durch. Man könnte sagen: Die Erfahrungen der Aussenwelt werden im ICH zusammengefasst, wie bei Pippi Langstrumpf: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“  Es beginnt mit der vorsichtigen Ich-Entwicklung, in der das Gefühl wichtige Bedeutung erlangt. In dieser Phase sind neben den Eltern vor allem  die Lehrer von Bedeutung. Das heisst, das Kind erhält eine erweiterte Begleitung. In dieser Phase ist das Kind häufig recht gesund und braucht wenig homöopathische Mittel. Nach unserer Praxiserfahrung ist allerdings in dieser Zeit die Begleitung der Eltern von Bedeutung. Denn hier können sich Anpassungsschwierigkeiten im Lernen zeigen, wie Legasthenie, ADHS usw. Das ist nicht einfach für die Eltern, das Kind dort zu begleiten. Alles basiert natürlich auf der langsamen Entfaltung  des jungen Menschen.
  • Von Pubertät bis zum jungen Erwachsenen ist es für uns Homöopathen wichtig, zu verstehen, dass die Eroberung der Aussenwelt von erstrangiger Bedeutung ist. In erster Linie findet dieser Prozess im Geiste statt und äußert sich in der Rebellion gegen die Welt. Wichtig ist, zu wissen, ein junger Mensch braucht diese Phase, um zu reifen, sich abzuschleifen an der Welt. Diesen Prozess nennen wir die Harry-Potter-Welt: Gut und Böse findet im Geiste statt, kann selbstverletzend sein oder auch die anderen verletzend, kann konstruktiv und destruktiv sein. Es ist der Weg des „inneren Helden“, der sich selbst erkennen muss. Für die Begleitung dieser Prozesse haben wir homöopathische Mittel zur Verfügung. Hier ist es oft schwierig, dass sich der junge Mensch den Fragen des Homöopathen stellt. Wenn er ein Problem hat, muss das möglichst sofort weg (wie z. B. die Akne) und es dürfen auf keinen Fall irgendwelche Fragen gestellt werden. Wie schon erwähnt, spielt das „Gewissen“ eine wesentliche Rolle. Es hat alles registriert und möchte auf keinen Fall durchschaut werden. Aber hier leitet, wie in jeder Phase des Lebens, der Körper, der alles ausdrückt was, auf der seelischen Ebene abläuft. Da unsere Mittel nur Energien sind,  können wir den Prozess auf der geistig/seelischen Ebene beobachten und versuchen, zu erkennen. 

Mit der 4. Periode beginnt das Gleichgewicht des erwachsenen Menschen. Dabei geht es jetzt um die Erfahrungen aus dem Aussen, die auf das Erlebte im Innen treffen. Diese Periode hat nicht wirklich ein Ende, denn es wird immer der "Anker durch den Treibsand" gezogen, was heisst, die Erlebnisse der Kindheit haben sich eingeprägt und werden jetzt über die Reflexion vom Aussen nach innen aktiviert. Daher ist es in der täglichen Praxis wichtig, die kindlichen Perioden zu kennen, um den Patienten verstehen zu können, erkennen zu können, wo hier der Entwicklungsschritt angeschaut oder durchschaut werden muss, um auch den Erwachsenen verstehen zu können.

Erst mit der 5. Periode, wenn das Altern beginnt, nimmt die Aktivität nach aussen ab und die Welt wird intensiver wahrgenommen und auch besser durchschaut. Daher spricht man von der Weisheit des Alters, die das innere Wissen ausstrahlt.

Die Metamorphose Mensch vereinfacht ausgedrückt zeigt:
• In der ersten Lebensperiode findet die größte Ausdehnung statt und dazu entwickelt sich das tiefste Lebensvertrauen, das die Grundlage für die nächsten Generationen darstellt. Aber diese Phase ist sehr unbewusst noch, daher spielt die physiologische Entwicklung eine große Rolle (Wachstum).
• In der zweiten Lebensperiode, der Schulzeit, geht es um die Bildung bzw. Entwicklung des späteren Gefühlslebens, das Kind fragt sich „Wie weit kann ich mir trauen?" Das Bewusstsein beginnt sich zu entfalten.
• In der dritten Lebensperiode geht der junge Mensch ins Leben und das soziale Bewusstsein wächst. Man könnte sagen „er wacht auf“ und beginnt mit dem Weg der ICH-Werdung.
• In der vierten Lebensperiode geschieht der Rückzug aus dem Leben.

Leiden und Krankheiten sind daher Entwicklungsphasen, die diese Prozesse stärken und kräftigen sollten. Es könnte so formuliert werden, dass in jedem „Verlust“ ein „Gewinn“ liegt, und den gilt es zu erkennen. 


Anne Schadde


„Der Weg der Kinderseele“ ist auch der Titel des anstehenden Seminars von Anne Schadde und Jürgen Weiland. Schon im November werden sie neben dem philosophischen Leitfaden, entsprechende Fallbeispiele aus allen Naturreichen vorstellen, die auf die unterschiedlichen Wegstationen der Kinderseele hinweisen. Dabei werden sie sie ausführlich über das Verständnis der Entwicklung der Kinder berichten.
Termin: 10./11. November 2018, Veranstalter ist die Akademie für Homöopathie in Gauting.
Weitere Details und Anmeldungen unter:
www.homoeopathie-akademie.de/


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